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Die Abschiede mitten im Leben

  • Autorenbild: Sabrina Gundert
    Sabrina Gundert
  • 18. Okt.
  • 2 Min. Lesezeit

Wenn eine Partnerschaft zerbricht, sterben weder wir selbst noch der Partner oder die Partnerin an sich, aber unsere Hoffnungen und Träume, die wir miteinander hatten. Es stirbt die Zukunft von einem gemeinsamen Kind oder dem zusammen verbrachten Lebensabend. Es stirbt der gemeinsame Alltag und alles, was uns miteinander verbunden hat.


Oft sind es nicht die Menschen, die sterben, sondern das, was wir mit ihnen erlebt haben oder worauf wir gehofft haben.


Ähnlich ist es, wenn wir den Arbeitsplatz verlieren. Es ist nicht nur die Arbeit, die wegfällt, sondern auch der vertraute Alltag mit den Kollegen, die Zeit an diesem bestimmten Ort, der Arbeitgeber, der für uns vielleicht auch Heimat, in jedem Fall aber den Ort, an dem wir die meiste Zeit des Tages verbracht haben, bedeutet hat.

Wir haben unseren Blick beim Trauern und Sterben meist nur auf dem Tod eines geliebten Menschen. Dabei begegnen uns die beiden auch, wenn Dinge im Leben sich verändern: Wenn die Arbeit wegbricht, wir gekündigt werden, stirbt dieser bekannte Teil unseres Lebens und Trauer ist die natürliche Reaktion.

Wenn die Partnerschaft vorbei ist stirbt das vertraute Miteinander – auch hier ist Trauer eine natürliche Komponente. Wir dürfen wieder beginnen, das Sterben und Trauern als natürlicher Teil des Lebens zu begreifen – nicht nur, wenn ein Mensch stirbt, sondern auch, wenn sich die Umstände, gemeinsam Erlebtes oder die Pläne verändern.


Ein Lebenstraum, der nicht in Erfüllung geht. Eine Krankheit, die mir bestimmte Möglichkeiten in der Zukunft verhindert. Die Wechseljahre, die das Ende der fruchtbaren Zeit künden, auch wenn ich mir vielleicht noch ein Kind wünsche. Die Kinder, die aus dem elterlichen Zuhause ausziehen.

Immer wieder begegnen wir Abschied und Neubeginn und ich möchte schärfen für die Zeit, in der etwas wegbricht und sich verändert – somit einem Sterben gleichkommt – wir uns aber Trauer nicht zugestehen. Gesellschaftlich sind Trauer und Abschied sehr mit dem Tod eines geliebten Menschen gekoppelt – nicht mit dem Aus eines Lebenstraums, dem Ende einer Freundschaft oder einer anderen, intensiven Wandlung im Leben.


Erkennen wir an, dass auch diese Veränderungen Schmerz mit sich bringen, dass auch sie herausfordern und dass auch mit ihnen die Prozesse von Sterben, Trauern und Abschiednehmen einhergehen, können wir uns selbst Raum machen.

So ist es zum Beispiel möglich, in einem kleinen Ritual das zu begraben, was nicht mehr da ist oder sein wird. Auf einen Zettel zu schreiben, worum ich trauere, vielleicht auch ein Symbol hierfür zu finden, und beides zusammen, ähnlich einem Grab, in die Erde zu geben. Ich kann dieses Grab schmücken, gestalten und dann auch wieder den Blick weiten und schauen, ob ich in dessen Umgebung etwas finde, das mir Halt für den nächsten Schritt gibt: Ein Blatt, eine Blume, ein Stein, etwas aus der Natur oder anderes, das mir sagt: Ja, hier ist etwas gestorben. Ja, hier gibt es etwas zu betrauern. Und ja, ich kann von hier aus gut weitergehen.


Die Abschiede und das Trauern mitten im Leben finden sich auch im Buch „Schwellenzeiten – Wandelzeiten: Kraftvoll durch Lebenskrisen gehen“ von Sabrina Gundert (Neue Erde Verlag, 2024).


Sabrina Gundert

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